Ein Serviceintervall ist keine Kalenderregel. Pauschale Jahresangaben beschreiben ein Uhrwerk, das regelmäßig getragen und normal belastet wird; über eine Uhr, die lange im Safe lag, sagen sie ebenso wenig wie über eine, die täglich Temperaturwechsel, Schweiß und Stöße mitnimmt. Maßgeblich ist der gemessene Zustand, nicht das Datum auf dem letzten Servicebeleg.
Aussagekräftig sind vier Werte von der Zeitwaage, aufgenommen in mehreren Lagen: Gangabweichung pro Tag, Unterschied zwischen den Lagen, Ausschlagwinkel der Unruh und Abfallfehler. Sackt der Ausschlag bei Vollaufzug deutlich unter das ab, was das Kaliber sonst erreicht, ist meist das Öl an den Lagerzapfen gealtert. Öle verharzen mit der Zeit, ob die Uhr läuft oder liegt.
Ein Werk, das trocken weiterläuft, arbeitet Metall auf Metall; aus einem planbaren Service wird dann der Ersatz von Zapfen, Rädern oder Ankerrad. Deshalb lohnt eine Messung auch dann, wenn nichts auffällt: Sie greift nicht ins Werk ein und beantwortet die Frage, die sonst offen bleibt. Das Protokoll gehört anschließend zu den Unterlagen der Uhr.