Service
Revision (Komplettservice)
Vollständige Überholung des Uhrwerks mit fünf Jahren Garantie.
Bei der Revision wird Ihre Uhr vollständig zerlegt, gereinigt, neu geölt, reguliert und auf Dichtigkeit geprüft. Verschleißteile werden ersetzt, das Werk anschließend in mehreren Lagen eingestellt und über mehrere Tage im Gangtest beobachtet. Sie erhalten vor Beginn der Arbeiten einen Kostenvoranschlag; gearbeitet wird erst nach Ihrer Freigabe.
Woran Sie erkennen, dass es so weit ist
- Die Uhr geht deutlich vor oder nach, oder die Gangabweichung schwankt von Tag zu Tag — mal +5, mal −20 Sekunden. Ein wandernder Gang ist typischer für verharztes Öl als eine konstante Abweichung.
- Die Gangreserve bricht ein: Ein voll aufgezogenes Handaufzugswerk läuft keine 36 Stunden mehr, eine Automatik bleibt über Nacht stehen, obwohl sie tagsüber getragen wurde.
- Der Aufzug fühlt sich rau, schwergängig oder körnig an, oder beim Aufziehen ist ein Schaben zu hören. Beides deutet auf Trockenlauf oder Abrieb im Aufzugsräderwerk hin.
- Am Glas beschlägt Kondenswasser, oder unter dem Glas liegt ein feiner Nebel. Feuchtigkeit im Gehäuse ist kein kosmetisches Problem — sie greift Zifferblatt und Werk an und sollte nicht abgewartet werden.
- Beim Chronographen kehren die Zeiger nach dem Nullstellen nicht sauber auf null zurück, die Drücker gehen schwer oder der Sekundenzeiger springt beim Start.
- Die letzte Revision liegt mehr als sechs bis acht Jahre zurück oder ist unbekannt — etwa bei einem Gebrauchtkauf ohne Servicehistorie. Schmieröle altern auch dann, wenn die Uhr im Safe liegt.
So gehen wir vor
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Eingangsdiagnose mit Messprotokoll
Vor jedem Handgriff wird der Ist-Zustand gemessen: Gangabweichung in Sekunden pro Tag in mehreren Lagen, Amplitude bei Vollaufzug und nach 24 Stunden, Abfallfehler, Zustand von Glas, Krone, Drückern und Dichtflächen. Das Protokoll bleibt bei der Uhr, damit sich der Zustand vorher und nachher vergleichen lässt.
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Kostenvoranschlag und Freigabe
Sie bekommen eine Aufstellung darüber, was ersetzt werden muss und was ersetzt werden könnte — mit Begründung. Erst nach Ihrer schriftlichen Freigabe beginnen die Arbeiten. Lehnen Sie ab, wird die Uhr im vorgefundenen Zustand zurückgesandt.
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Zerlegen und Reinigen
Das Werk wird bis auf die Einzelteile zerlegt, Zifferblatt und Zeiger werden abgenommen und getrennt behandelt. Die Werkteile durchlaufen mehrere Reinigungsbäder im Ultraschall, gefolgt von Spülbädern und Trocknung. Zifferblätter, Leuchtmasse und Kunststoffteile kommen nicht ins Ultraschallbad — sie werden trocken beziehungsweise ausschließlich mechanisch behandelt.
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Befundung und Teileersatz
Im gereinigten Zustand wird jedes Teil unter dem Mikroskop beurteilt: Zapfen und Lagersteine, Ankerpaletten, Zahnflanken, Zugfeder und Schleppfeder, Federhausdeckel, Aufzugswelle, Kupplungs- und Winkelhebel, beim Chronographen zusätzlich Schaltrad, Kupplung und Hammer. Dichtungen werden bei jedem Öffnen grundsätzlich erneuert, unabhängig von ihrem sichtbaren Zustand. Ersetzte Originalteile werden aufbewahrt und Ihnen auf Wunsch mit zurückgegeben.
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Ölen und Zusammenbau
Der Zusammenbau erfolgt mit werkstoffgerechten Ölen und Fetten — dünnflüssig an den Schnelläufern und der Hemmung, zäher an Aufzug und Federhauswand, Bremsfett auf die Federhauswand bei Automatikwerken. Jede Schmierstelle wird dosiert gesetzt; zu viel Öl kriecht und richtet mittelfristig denselben Schaden an wie zu wenig.
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Regulierung in mehreren Lagen
Der Abfallfehler wird korrigiert und der Gang auf der Zeitwaage in fünf bis sechs Lagen eingestellt (Zifferblatt oben und unten, Krone links, rechts, oben, unten), sowohl bei Vollaufzug als auch nach 24 Stunden. Zielwert ist die Toleranz des jeweiligen Kalibers — bei einem chronometerzertifizierten Werk liegt der Herstellerkorridor beispielsweise bei −4 bis +6 Sekunden pro Tag, bei einfacheren Kalibern entsprechend weiter.
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Gehäuse, Dichtungen und Druckprüfung
Gehäuseboden-, Kronen- und Glasdichtungen werden ersetzt und gefettet, das Gehäuserohr auf Verschleiß geprüft. Anschließend Trockenprüfung im Über- und Unterdruck und, wenn das Gehäuse es zulässt, Nassprüfung. Verschraubte Kronen und Drücker werden im geschlossenen und im geöffneten Zustand kontrolliert.
Was enthalten ist
Im Preis enthalten
- Vollständige Zerlegung des Werks, Ultraschall- und Spülbadreinigung aller Werkteile
- Neuschmierung mit werkstoffgerechten Ölen und Fetten an allen vorgesehenen Schmierstellen
- Austausch sämtlicher Dichtungen (Boden, Glas, Krone, gegebenenfalls Drücker)
- Korrektur des Abfallfehlers und Regulierung in fünf bis sechs Lagen, bei Voll- und Teilaufzug
- Prüfung und Reinigung des Aufzugs- und Zeigerstellmechanismus, bei Automatikwerken zusätzlich des Rotorlagers
- Druckprüfung des Gehäuses (trocken; nass, sofern die Gehäusebauart es erlaubt)
- Mehrtägiger Gangtest nach dem Zusammenbau, vor der Rückgabe erneut gemessen
- Mess- und Übergabeprotokoll mit den Werten vor und nach der Revision
- 5 Jahre Garantie auf die ausgeführten Arbeiten
- Rückgabe der ersetzten Originalteile auf Wunsch
Nicht enthalten
- Ersatzteile über die Dichtungen hinaus — sie werden im Kostenvoranschlag einzeln ausgewiesen und erst nach Freigabe verbaut
- Polieren und Satinieren von Gehäuse und Band. Die Revision ist eine Arbeit am Werk; Aufbereitung ist bewusst getrennt buchbar, weil dabei Material abgetragen wird
- Neues Glas, neue Lünetteneinlagen, neue Zeiger oder Zifferblattarbeiten
- Neubelegung oder Auffrischung von Leuchtmasse. Alte Tritium- oder frühe Superluminova-Leuchtmasse wird nicht erneuert, sondern erhalten
- Reparatur von Schäden, die auf Sturz, Wassereintritt oder unsachgemäße Voröffnung zurückgehen — solche Arbeiten werden gesondert kalkuliert
- Beschaffung von Ersatzteilen, die vom Hersteller nicht mehr geliefert werden. In diesen Fällen sprechen wir mit Ihnen über Alternativen (Aufarbeitung des Originalteils, Gebrauchtteil aus geprüfter Quelle) oder geben die Uhr unbearbeitet zurück
- Eine Zusage zur Tauchtauglichkeit. Die Druckprüfung dokumentiert den Zustand am Prüftag; sie ersetzt bei älteren Gehäusen keine Freigabe für den Tauchbetrieb
Bevor Sie die Uhr einschicken
- Schicken Sie die Uhr ohne Box, Papiere und Wertsachen. Für die Revision werden nur Uhr und Band benötigt; alles andere erhöht nur das Versandrisiko. Wenn Endstücke, Federstege oder Schraubstege bereits einmal ersetzt wurden, erwähnen Sie das bitte.
- Beschreiben Sie das Verhalten der Uhr so konkret wie möglich: Geht sie vor oder nach, um wie viele Sekunden pro Tag, seit wann, in welcher Trageweise? Gab es einen Sturz, Kontakt mit Wasser, eine Sauna oder ein starkes Magnetfeld (Lautsprecher, Tabletcover, MRT)? Diese Angaben verkürzen die Fehlersuche erheblich.
- Nennen Sie, was Sie über die Servicehistorie wissen — Datum der letzten Revision, ausführende Werkstatt, alte Rechnungen. Auch die Auskunft "unbekannt, gebraucht gekauft" ist eine brauchbare Information.
- Halten Sie Sonderwünsche schriftlich fest, bevor die Uhr das Haus verlässt: Patina erhalten, Gehäuse ausdrücklich nicht polieren, ausgetauschte Originalteile zurückgeben, Zifferblatt und Zeiger unangetastet lassen. Was nicht vermerkt ist, lässt sich nachträglich nicht wiederherstellen.
- Versenden Sie versichert und gut gepolstert: Uhr in einem weichen Beutel oder Tuch, fixiert in einem stabilen Karton, kein loses Spiel im Paket. Nutzen Sie unser Versandlabel, wenn Sie eines angefordert haben — dann ist der Transport über uns abgedeckt.
- Planen Sie die Abgabezeit ein. Rechnen Sie mit 4 bis 8 Wochen und geben Sie die Uhr nicht kurz vor einem Termin ab, zu dem Sie sie tragen möchten.
Bei Vintage-Uhren
Bei Vintage-Uhren gilt: so wenig eingreifen wie möglich. Zifferblatt, Zeiger und Leuchtmasse bleiben unangetastet — auch dann, wenn Tritium nachgedunkelt ist, die Indexe unterschiedlich gealtert sind oder die Lume rissig wirkt. Genau dieser Zustand ist wertbildend, und jede Auffrischung vernichtet ihn dauerhaft. Das Gehäuse wird im Rahmen der Revision nicht poliert; scharfe Kanten, Fasen und ein noch vollständiges Gehäuseprofil sind bei alten Uhren mehr wert als eine kratzerfreie Oberfläche, und Material, das einmal abgetragen ist, kommt nicht zurück. Bei der Wahl der Ersatzteile hat das Originalteil Vorrang: Wo sich ein verschlissenes Teil aufarbeiten lässt — Zapfen polieren, Schleppfeder nachstellen, Federhausdeckel richten —, wird es aufgearbeitet statt ersetzt. Wird dennoch getauscht, bevorzugen wir zeitgenössisch korrekte Teile und legen das ausgebaute Original der Uhr bei. Zu den Grenzen: Bei Gehäusen mit gepresstem Boden, gealtertem Acrylglas oder nicht mehr lieferbaren Kronendichtungen ist die Wasserdichtigkeit oft nicht mehr sinnvoll wiederherstellbar. Wir sagen Ihnen das vorher und dokumentieren im Protokoll, welchen Prüfdruck das Gehäuse noch gehalten hat — statt eine Dichtigkeit zu bestätigen, auf die Sie sich im Alltag nicht verlassen können.