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Die IWC Portugieser ist eine der wenigen Uhren, deren Gestalt nicht aus einem Designentwurf entstanden ist, sondern aus einer technischen Notwendigkeit. Zwei portugiesische Händler bestellten 1939 in Schaffhausen eine Armbanduhr mit der Ganggenauigkeit eines Marine-Chronometers — und die einzige verfügbare Lösung war ein Taschenuhrwerk in einem für damalige Verhältnisse riesigen Gehäuse. Aus dieser Zwangslage wurde über acht Jahrzehnte eine Design-Ikone. Wir zeichnen den Weg von der Sonderanfertigung zur Manufakturlinie nach und ordnen ein, worauf am Sekundärmarkt zu achten ist.

1. Der Auftrag aus Lissabon: eine Bestellung, kein Designbriefing

Am Anfang der Portugieser stand keine Marktforschung und keine Stilstudie, sondern eine konkrete Kundenanforderung. Im Jahr 1939 wandten sich die beiden portugiesischen Uhrenhändler Rodrigues und Teixeira an die International Watch Co. in Schaffhausen. Ihr Wunsch war präzise formuliert: eine Armbanduhr, die in ihrer Ganggenauigkeit an Marine-Chronometer heranreicht. Für ein Handelshaus in einer seefahrenden Nation, deren Wirtschaft seit Jahrhunderten von Navigation und Überseehandel geprägt war, war das keine Marotte, sondern ein nachvollziehbarer Bedarf.

Marine-Chronometer waren damals der Maßstab für alles, was Zeit messen sollte. Sie standen in kardanischer Aufhängung in einer Holzkiste, arbeiteten mit großen, langsam schwingenden Unruhen und wurden über Jahrzehnte als Referenzinstrument der Navigation eingesetzt. Ihre Genauigkeit beruhte auf physikalischen Grundlagen: Ein großes Schwingsystem reagiert weniger empfindlich auf Störungen von außen als ein kleines. Genau dieses Prinzip stellte die Anfrage aus Lissabon vor ein grundsätzliches konstruktives Problem.

Denn Armbanduhrwerke der späten 1930er-Jahre waren klein, flach und in ihrer Regulierbarkeit begrenzt. Wer die Präzision eines Chronometers verlangte, verlangte implizit auch dessen Bauform. IWC stand damit vor einer Wahl: entweder ein neues, aufwendiges Werk entwickeln — mit allen Kosten und Risiken, die eine Neukonstruktion am Vorabend des Zweiten Weltkriegs mit sich brachte — oder auf vorhandene Substanz zurückgreifen. Schaffhausen entschied sich für den zweiten Weg, und diese Entscheidung prägt die Portugieser bis in die Gegenwart.

Die ersten Exemplare entstanden ab 1939 unter der Referenz 325 — mitten in einer Zeit, in der der europäische Uhrenhandel unter erheblichen Einschränkungen litt. Die Uhr blieb deshalb über Jahrzehnte ein Nischenprodukt: Zwischen 1939 und 1981 verließen nach den Aufzeichnungen der Manufaktur nur rund 690 Exemplare der Referenz 325 das Werk, von denen lediglich etwa 141 Stück tatsächlich nach Portugal geliefert wurden. Von einer Serienfertigung im heutigen Sinn konnte damit keine Rede sein. Erst rückblickend, als IWC in den 1990er-Jahren die eigene Historie systematisch aufarbeitete und die Archivbestände auswertete, wurde aus der Sonderanfertigung eine Modelllinie mit Namen und Programm.

2. Das Taschenuhrwerk am Handgelenk: Kaliber 74 und 98

Die Lösung, für die sich Schaffhausen entschied, war radikal einfach und technisch elegant zugleich: Man nahm ein bewährtes Taschenuhrwerk und baute es in ein Armbandgehäuse. Zum Einsatz kam das Handaufzugskaliber 74, ein Werk mit 17 Linien Durchmesser, das IWC bereits seit 1913 baute. Es misst rund 38 Millimeter im Durchmesser bei etwa 4,2 Millimetern Bauhöhe, trägt 16 Steine, läuft mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde und bietet rund 30 Stunden Gangreserve — Werte, die nach heutigen Maßstäben bescheiden wirken, damals aber die Basis für eine stabile Regulierung über mehrere Lagen bildeten. Breguetspirale und Schwanenhals-Feinregulierung gehörten in dieser Werksfamilie zum Standard.

Die niedrige Frequenz war dabei kein Nachteil, sondern Teil des Konzepts. Eine große Unruh mit langsamer Schwingung speichert mehr Energie und lässt sich über die Lagen hinweg feiner justieren als ein kleines, schnell schwingendes System. Genau darin lag die Nähe zum Marine-Chronometer: nicht in einer Zusatzfunktion und nicht in einem Zertifikat, sondern in der Physik des Schwingsystems selbst. Die Portugieser war damit von Beginn an eine Präzisionsuhr, deren Genauigkeit unmittelbar aus ihrer Größe folgte.

Ein Werk von rund 38 Millimetern Durchmesser lässt sich jedoch nicht in ein Gehäuse von 34 Millimetern zwingen. Die Konsequenz war das Armbandgehäuse der Referenz 325 mit rund 41,5 Millimetern Durchmesser bei etwa 9,5 Millimetern Bauhöhe — in einer Zeit, in der Herrenuhren typischerweise zwischen 32 und 36 Millimetern maßen, eine kaum vorstellbare Dimension. Die Portugieser wirkte auf Zeitgenossen wahrscheinlich weniger elegant als schlicht überdimensioniert. Was heute als selbstbewusstes Gestaltungsmerkmal gelesen wird, war ursprünglich eine reine Maßfolge aus der Werksarchitektur.

Auf das Kaliber 74 folgte in späteren Exemplaren das Kaliber 98, ein ebenfalls aus der Taschenuhrfertigung stammendes Handaufzugswerk mit rund 37,8 Millimetern Durchmesser und ebenfalls 18.000 Halbschwingungen pro Stunde, das IWC über viele Jahrzehnte in unterschiedlichen Ausbaustufen pflegte. Diese Werksfamilie bildete die technische Klammer der frühen Portugieser und lieferte später auch die Grundlage für das Jubiläumskaliber der 1990er-Jahre. Die Kontinuität ist bemerkenswert: Kaum eine andere Modelllinie der Branche lässt sich so direkt auf ein Taschenuhrkaliber zurückführen.

3. Die Designsprache: Railway-Minuterie, Ziffern, Feuille-Zeiger

Das Zifferblatt der Portugieser ist der eigentliche Grund für ihren ikonischen Status. Es folgt einer Logik, die sich vollständig aus der Ablesbarkeit ableitet und keine dekorativen Umwege macht. Die außen umlaufende Railway-Minuterie — eine schmale, sprossenartig unterteilte Skala, die an Bahnhofsuhren erinnert — gliedert den Minutenkreis in klar zählbare Abschnitte. Sie erlaubt eine sekundengenaue Einschätzung, ohne dass zusätzliche Beschriftung oder farbliche Hervorhebung nötig wäre.

Die arabischen Ziffern sind das zweite prägende Element. Anders als römische Ziffern oder Strichindizes benennen sie die Stunde direkt und lassen keine Interpretation zu. IWC führte sie in einer schlanken, leicht gestreckten Form aus, die viel Weißraum zwischen den Ziffern lässt. Genau dieser Weißraum ist der Grund, warum ein Zifferblatt dieser Größe nicht überladen wirkt, sondern ruhig: Die Fläche trägt die Typografie, statt von ihr zugestellt zu werden.

Dazu kommen die Feuille-Zeiger, jene blattförmigen Zeiger mit breiter Mitte und schlanken Spitzen. Sie sind ein klassisches Element der französischen und Schweizer Uhrmacherei und erfüllen zwei Aufgaben gleichzeitig: Die breite Fläche liefert Kontrast gegen das helle Zifferblatt, die feine Spitze erlaubt exaktes Ablesen an der Minuterie. In gebläuter oder gerhodinierter Ausführung setzen sie den einzigen wirklichen Farbakzent auf einer sonst betont nüchternen Fläche.

Bemerkenswert ist, was fehlt. Es gibt keine Drehlünette, keine Tachymeterskala, keine Leuchtmasse auf den frühen Modellen, keine dekorativen Applikationen und keine Datumsanzeige, die die Symmetrie stören würde. Die Portugieser verzichtet auf jedes Element, das nicht der Zeitanzeige dient. Diese Konsequenz macht sie über Jahrzehnte hinweg lesbar — und sie ist der Grund, warum Modelle von 1939, 1993 und 2026 auf Anhieb als Angehörige derselben Familie erkennbar bleiben.

4. Bauhaus-Nähe, ohne Bauhaus zu sein

Die Portugieser wird regelmäßig in die Nähe des Bauhaus gerückt, und auf den ersten Blick liegt das nahe: klare Flächen, funktionale Typografie, Verzicht auf Ornament. Historisch ist die Verbindung jedoch nicht belegbar. Die Uhr entstand aus einer Handelsanfrage in Lissabon, nicht aus einer gestalterischen Programmatik in Weimar oder Dessau, und ihre Entwurfsentscheidungen lassen sich lückenlos technisch erklären. Ihre Nüchternheit ist ein Nebenprodukt der Konstruktion, nicht deren Ausgangspunkt.

Der Unterschied lässt sich an konkreten Details festmachen. Uhren, die tatsächlich in der Bauhaus-Tradition stehen, reduzieren die Zifferblattgestaltung bis an die Grenze der Auslassung: Strichindizes statt Ziffern, keine Minuterie, minimale Beschriftung, oft ohne kleine Sekunde. Die Portugieser geht den umgekehrten Weg. Sie zeigt mehr Information — vollständige Ziffern, feine Minuterie, kleine Sekunde — und ordnet diese Information nur besonders klar. Sie ist reduziert in der Wirkung, aber nicht in der Anzeige.

Damit steht sie eher in der Tradition wissenschaftlicher Instrumente als in der des Möbel- und Produktdesigns der Zwischenkriegszeit. Beobachtungsuhren, Deck-Watches und Marine-Chronometer folgen genau dieser Logik: maximale Information bei maximaler Lesbarkeit, ohne jede gestalterische Zutat, weil ein Ablesefehler auf See reale Konsequenzen hatte. Die Portugieser übersetzt diese Instrumentenästhetik in ein Kleidungsstück am Handgelenk, und darin liegt ihre eigentliche gestalterische Leistung.

Vier Merkmale machen den Charakter der Linie aus und erklären, warum sie sich über Generationen hinweg kaum verändern musste, um aktuell zu bleiben:

  1. Große Fläche: Der aus dem Taschenuhrwerk resultierende Durchmesser schafft Raum zwischen Ziffernkranz und Zeigerachse. Dieser Abstand ist gestalterisch entscheidend, weil er die Typografie freistellt und dem Zifferblatt eine Ruhe gibt, die kleinere Gehäuse konstruktiv kaum erreichen können.
  2. Instrumententypografie: Die arabischen Ziffern sind schmal proportioniert und ohne Serifen ausgeführt. Sie erinnern an Messgeräte und Skalen, nicht an Schmuckstücke, und tragen den sachlichen Grundton der Uhr auch dann, wenn das Gehäuse in Rotgold oder Platin ausgeführt ist.
  3. Flache Lünette: Ein sehr schmaler Rand fasst das Glas ein, statt es zu rahmen. Dadurch wirkt die Uhr an der Hand großzügiger, als es der reine Durchmesser vermuten lässt, und das Zifferblatt bleibt in jeder Ausführung das dominante gestalterische Element.
  4. Kleine Sekunde: Die separate Sekundenanzeige stammt direkt aus der Taschenuhrarchitektur. Sie unterbricht die Zifferblattfläche nur an einer Stelle und erhält so die Symmetrie, die eine zentrale Sekunde durch den durchlaufenden Zeiger deutlich stärker stören würde.
Portuguese Automatic Stainless Steel / Silver

Portugieser im Bestand: klassische Linie, klare Fläche

Die Portugieser Automatic der Referenz 5001 zeigt die Gestaltungsmerkmale der Linie in ihrer klassischen Ausprägung: umlaufende Railway-Minuterie, arabische Ziffern, schlanke Feuille-Zeiger, kleine Sekunde bei 9 Uhr und Gangreserveanzeige bei 3 Uhr — bei einem Gehäusedurchmesser von 42,3 Millimetern, dessen Proportionen unmittelbar aus der Taschenuhrarchitektur stammen. Jedes Stück durchläuft vor der Freigabe eine technische und optische Prüfung; die Abwicklung erfolgt über das CHRONOWERK-Treuhandkonto, sodass der Kaufpreis erst nach Annahme durch den Käufer an den Verkäufer ausgezahlt wird.

Zur Marke IWC

5. Das Jubiläumsmodell 1993: die Wiederbelebung mit der IW5441

Nach den 1940er-Jahren spielte die Portugieser im Programm praktisch keine Rolle mehr. Die Referenz 325 lief zwar formal bis 1981 weiter, aber in so kleinen Stückzahlen, dass von einer lebendigen Modelllinie keine Rede sein konnte: Der Markt verlangte kleinere Uhren, und ein Gehäuse von über 41 Millimetern war jahrzehntelang schlicht schwer verkäuflich. Erst 1993, zum 125-jährigen Bestehen der 1868 gegründeten Manufaktur, kehrte das Modell zurück — als limitiertes Jubiläumsmodell mit der Referenz IW5441. Diese Uhr ist der eigentliche Wendepunkt in der Geschichte der Linie, weil sie aus einem historischen Kuriosum ein aktuelles, käufliches Produkt machte.

Die IW5441 erschien in einer Gesamtauflage von 1.750 Exemplaren, aufgeteilt in 1.000 Stück in Edelstahl, 500 in Roségold und 250 in Platin (IWC Schaffhausen). Angetrieben wurde sie vom Handaufzugskaliber 9828, das direkt von der historischen Taschenuhrarchitektur der 98er-Familie abgeleitet ist: rund 37,8 Millimeter Durchmesser, 19 Steine, 18.000 Halbschwingungen pro Stunde und etwa 54 Stunden Gangreserve. Damit war die Uhr nicht nur optisch, sondern auch technisch ein bewusster Rückgriff auf das Original von 1939 — bis hin zur kleinen Sekunde bei 6 Uhr und der schlichten, unbeschrifteten Zifferblattfläche. Ein Sichtboden gab den Blick auf die zum Jubiläum signierte Werksbrücke frei.

Entscheidend war der Zeitpunkt. Anfang der 1990er-Jahre begann sich der Geschmack zu drehen: Größere Gehäuse wurden akzeptiert, mechanische Uhren gewannen nach der Quarzkrise wieder an Bedeutung, und Sammler interessierten sich zunehmend für belegbare Herkunftsgeschichten statt für reine Produktmerkmale. Die Portugieser traf diesen Wandel exakt. Was 1939 als Zwangslösung galt, wirkte 1993 wie eine Vorwegnahme des Zeitgeschmacks — und legte die Basis für die spätere Ausdifferenzierung der Kollektion.

Am Sekundärmarkt gehört die IW5441 heute zu den gesuchten IWC-Referenzen der 1990er-Jahre. Die Platin-Variante mit der niedrigsten Auflage wird typischerweise am höchsten bewertet, gefolgt von Roségold; die Stahlausführung ist am häufigsten anzutreffen und dient vielen Sammlern als Einstieg in die historische Linie. Wichtiger als das Material ist erfahrungsgemäß der Zustand des Zifferblatts, weil unbehandelte, gleichmäßig gealterte Blätter deutlich seltener geworden sind als vollständige Uhren mit Box und Papieren.

6. 1998: Der Portugieser Chronograph und die Referenz 3714

Fünf Jahre nach dem Jubiläumsmodell folgte die Referenz, die die Portugieser endgültig in die Breite trug: der Portugieser Chronograph, 1998 als Referenz 3714 vorgestellt. Er übertrug die Gestaltungsprinzipien der Linie erstmals auf eine Uhr mit Zusatzfunktion — und tat das mit einer Zurückhaltung, die in der Chronographengestaltung der späten 1990er-Jahre ungewöhnlich war, als Drücker, Lünetten und Skalen andernorts zunehmend massiver ausfielen.

Technisch griff IWC auf ein bewährtes Automatikwerk zurück. Zum Einsatz kam ein modifiziertes Kaliber der Valjoux-7750-Architektur, das bei IWC zunächst als Kaliber 79240 geführt und um 2007 durch das Kaliber 79350 abgelöst wurde. Es arbeitet mit 4 Hertz, verfügt über 31 Steine statt der 25 des Basiswerks und bietet rund 44 Stunden Gangreserve. Die Aufwertungen betrafen unter anderem Hemmung, Unruh und Spirale sowie die Zifferblattseite, wo die Anzeigen vollständig neu angeordnet wurden.

Genau diese Neuanordnung ist der Kern der Uhr. Statt der drei Totalisatoren des Basiswerks zeigt der 3714 nur zwei: die kleine Sekunde bei 6 Uhr und den 30-Minuten-Zähler bei 12 Uhr. Der Stundenzähler entfiel, das Datumsfenster ebenfalls. Das Ergebnis ist ein streng symmetrisches Bicompax-Layout, das die freie Zifferblattfläche der Portugieser erhält, obwohl eine Komplikation hinzugekommen ist — ein Verzicht, der gestalterisch mehr gewinnt als er funktional kostet.

Mit einem Gehäusedurchmesser von rund 40,9 Millimetern liegt der 3714 spürbar unterhalb der klassischen Portugieser-Dimension und trägt sich dadurch auch an schmaleren Handgelenken unauffällig. Die Referenz blieb über zwei Jahrzehnte im Programm und wurde in zahlreichen Zifferblatt- und Gehäusevarianten angeboten, von versilbert mit gebläuten Zeigern bis zu schiefergrauen und blauen Ausführungen. Für viele Sammler ist sie bis heute der praktischste Einstieg in die Linie, weil sie Verfügbarkeit, Proportion und Servicefreundlichkeit verbindet.

IWC Portugieser am Sekundärmarkt

Verfügbare Referenzen im Überblick

Vom Handaufzug über den Chronographen der Referenz 3714 bis zum ewigen Kalender: Diese Portugieser-Referenzen sind aktuell über CHRONOWERK verfügbar — geprüft, dokumentiert und über Treuhand abgewickelt.

7. Kurt Klaus und der Ewige Kalender in der Portugieser

Wer über IWC spricht, kommt an Kurt Klaus nicht vorbei. Der langjährige Chef-Uhrmacher der Manufaktur entwickelte in den 1980er-Jahren einen ewigen Kalender, der den gregorianischen Kalender mit allen seinen Unregelmäßigkeiten in ein rein mechanisches Programm übersetzt. Sein Modul debütierte 1985 im Da Vinci Chronograph Perpetual Calendar der Referenz 3750 (IWC Schaffhausen), kam mit rund 81 Bauteilen aus und gilt bis heute als eine der eigenständigsten Kalenderkonstruktionen der Branche — entstanden in einer Phase, in der die Schweizer Uhrenindustrie um ihr Überleben kämpfte.

Das Besondere an der Klaus-Konstruktion ist die Bedienung. Sämtliche Kalenderanzeigen — Datum, Wochentag, Monat, Jahr und Mondphase — sind mechanisch miteinander verknüpft und lassen sich über die Krone gemeinsam vorwärts schalten. Es gibt keine versenkten Korrektoren an der Gehäuseflanke, für die ein Stichel nötig wäre und an denen sich unerfahrene Nutzer erfahrungsgemäß am ehesten vergreifen. Für den Träger bedeutet das eine deutlich unkompliziertere Handhabung nach längerem Stillstand der Uhr.

Hinzu kommt die vierstellige Jahresanzeige, damals eine Premiere: Das Räderwerk ist mechanisch bis zum Jahr 2499 programmiert und läuft bis dahin ohne Eingriff durch. Die Mondphase legte Klaus so aus, dass sie erst nach 122 Jahren um einen Tag von der tatsächlichen Mondbahn abweicht (IWC Schaffhausen) — ein Wert, der in den 1980er-Jahren ohne nennenswerte Computerunterstützung berechnet wurde und der deshalb bis heute uhrmacherischen Respekt verdient. Einfache Mondphasenanzeigen liegen um Größenordnungen darunter.

In die Portugieser-Kollektion fand diese Komplikation im Jahr 2003 Eingang (IWC Schaffhausen). Die große, ruhige Zifferblattfläche der Linie erwies sich dabei als idealer Träger: Sie bietet genug Platz, um vier Kalenderanzeigen samt Mondphase unterzubringen, ohne dass das Blatt unruhig oder überladen wirkt; die Mondphase dieser Konstruktion weicht rechnerisch erst nach 577,5 Jahren um einen Tag ab. Seit 2024 führt IWC diesen Ansatz mit dem Portugieser Eternal Calendar weiter: Ein 400-Jahre-Rad lässt den Säkularkalender die drei ausfallenden Schaltjahre je Vierhundertjahreszyklus selbsttätig überspringen — erstmals im Jahr 2100 — und hält den Kalender damit bis 3999 korrekturfrei; die zugehörige Mondphase weicht rechnerisch erst nach rund 45 Millionen Jahren um einen Tag ab (IWC Schaffhausen).

8. Die 52000-Familie: Pellaton-Aufzug und sieben Tage Gangreserve

Die technische Selbstständigkeit der Portugieser beruht heute auf der Manufakturkaliberfamilie 52000, die IWC ab 2015 in der Linie einsetzt. Es handelt sich um große Automatikwerke mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und zwei Federhäusern, die zusammen eine Gangreserve von 168 Stunden — also sieben Tagen — aufbauen (IWC Schaffhausen). Das Sieben-Tage-Konzept selbst ist älter: Es kam im Jahr 2000 mit dem Kaliber 5000 in die Portugieser, damals noch mit einem einzelnen Federhaus. Diese Auslegung ist konsequent zu Ende gedacht: Ein Werk mit Taschenuhrahnen darf großzügig dimensioniert sein, und Größe lässt sich in nutzbare Energiereserve übersetzen.

Herzstück ist der Pellaton-Aufzug, benannt nach Albert Pellaton, der ab 1944 technischer Direktor von IWC war und ein Aufzugssystem entwickelte, das die Rotorbewegung in beide Richtungen nutzt. Zum Patent angemeldet wurde die Konstruktion 1946; in Serie ging sie 1950 mit den Automatikkalibern 81 und 85. Anders als bei Wechselgetrieben mit Zahnrädern arbeitet der Pellaton-Aufzug mit einer Nockenscheibe, die ihre Bewegung über zwei Rubinrollen auf eine Wippe und von dort auf zwei Klinken überträgt, die das Automatikrad abwechselnd weiterschieben. Das System gilt als besonders wirkungsvoll bei kleinen, unregelmäßigen Handbewegungen, wie sie im Büroalltag typisch sind.

Der Preis dieser Effizienz war lange Zeit Verschleiß. Klinken und Automatikrad sind im Betrieb hohen punktuellen Belastungen ausgesetzt, weil die Kraftübertragung über sehr kleine Kontaktflächen erfolgt. In der 52000-Familie fertigt IWC genau diese Bauteile deshalb aus Keramik statt aus Metall: Klinken und Automatikrad bestehen aus schwarzer, das Rotorlager aus weißer Keramik (IWC Schaffhausen). Keramische Komponenten sind ausgesprochen hart und im Reibkontakt kaum verschleißanfällig, was die Standzeit des Aufzugs zwischen zwei Revisionen erheblich verlängert.

Für den Träger sind zwei Punkte relevant. Erstens ist die Gangreserveanzeige, die in den Sieben-Tage-Modellen der Portugieser bei 3 Uhr sitzt, keine Dekoration, sondern eine praktische Information bei einer Uhr, die auch nach einem Wochenende in der Schublade weiterläuft. Zweitens bedeutet die Zwei-Federhaus-Konstruktion, dass das Werk vorwiegend den mittleren, gleichmäßigen Teil der Drehmomentkurve nutzt — was der Ganggenauigkeit über die gesamte Laufzeit hinweg zugutekommt.

Manufakturen im Vergleich

Wer sonst mit eigenen Kalibern arbeitet

Die Portugieser steht in einem Umfeld von Häusern mit eigener Werksfertigung. Ein Blick auf die Marken, die im CHRONOWERK-Bestand regelmäßig neben IWC vertreten sind.

9. Hauseigene Chronographenwerke: Kaliber 69355 und 89361

Lange arbeitete der Portugieser Chronograph mit einem zugekauften und modifizierten Basiswerk. Das änderte sich mit dem hauseigenen Automatikchronographen-Kaliber 69355, das 2018 zunächst in einer Jubiläumsedition zum 150-jährigen Bestehen der Manufaktur auftauchte und 2020 mit der Nachfolgereferenz 3716 in die Serie einzog (IWC Schaffhausen). Das Werk stammt aus der 69000-Familie, die IWC auch in anderen Linien verwendet, und ist erklärtermaßen auf robuste Alltagstauglichkeit und einfache Servicierbarkeit ausgelegt statt auf extreme Flachheit oder maximale Bauteilzahl.

Konstruktiv arbeitet das Kaliber 69355 mit einem Schaltradmechanismus, verfügt über 27 Steine und rund 194 Bauteile, schwingt mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet rund 46 Stunden Gangreserve (IWC Schaffhausen). Das Schaltrad ist dabei kein reines Prestigemerkmal: Es sorgt für einen präzisen, definierten Druckpunkt beim Starten und Stoppen und gilt gegenüber der einfacheren Kulissensteuerung als die aufwendigere Lösung. Wie beim Vorgänger fehlen Stundenzähler und Datum, sodass das Bicompax-Zifferblatt erhalten bleibt; ein Saphirglasboden gibt beim Portugieser Chronographen erstmals den Blick auf das Werk frei.

Oberhalb davon steht das Kaliber 89361, ein Flyback-Chronograph mit Datum, 38 Steinen, Doppelfederhaus und rund 68 Stunden Gangreserve, der ebenfalls über ein Schaltrad gesteuert wird. Seine Anzeigelogik ist für IWC typisch: Statt Stunden- und Minutenzähler auf zwei getrennte Hilfszifferblätter zu verteilen, kombiniert das Werk beide Angaben in einem einzigen Totalisator bei 12 Uhr. Gestoppte Zeiten lassen sich dadurch wie auf einer normalen Uhr ablesen, ohne zwei Skalen im Kopf zusammenzurechnen — ein Detail, das im Alltag mehr bringt, als es auf dem Datenblatt wirkt.

Die Flyback-Funktion erlaubt zudem, einen laufenden Chronographen mit einem einzigen Druck zurückzusetzen und sofort neu zu starten, ohne die übliche Abfolge aus Stopp, Nullstellung und Start. Ursprünglich eine Anforderung aus der Fliegerei, wo Kursabschnitte lückenlos gestoppt werden mussten, ist sie heute vor allem ein Komfortmerkmal. Für Käufer bedeutet die Existenz beider Werke, dass es innerhalb der Chronographenlinie eine klare technische Abstufung mit entsprechend unterschiedlichen Preisniveaus am Sekundärmarkt gibt.

10. Kaufberatung: Größe, Antrieb, Zifferblatt und Zustand

Die erste Entscheidung beim Portugieser-Kauf ist die Größe, und sie fällt in der Praxis zwischen zwei Polen. Der klassische Portugieser Automatic mit Sieben-Tage-Werk misst je nach Generation rund 42,3 bis 42,4 Millimeter — sowohl die Referenz 5001 als auch die 2015 eingeführte Nachfolgerin 5007 liegen bei 42,3 Millimetern — und ist damit die formatgetreue Interpretation des Originals von 1939. Der Portugieser Chronograph der Referenz 3714 liegt mit etwa 40,9 Millimetern deutlich darunter und wirkt am Handgelenk erheblich zurückhaltender, ohne den Charakter der Linie zu verlieren.

Der Unterschied von rund 1,4 Millimetern klingt gering, ist aber wegen der schmalen Lünette der Linie überproportional spürbar: Bei der Portugieser übersetzt sich jeder zusätzliche Gehäusemillimeter fast vollständig in zusätzliche Zifferblattfläche. Bei einem Handgelenksumfang unterhalb von etwa 17 Zentimetern greifen viele Käufer erfahrungsgemäß zur kleineren Variante; oberhalb davon wirkt das große Gehäuse stimmiger. Wichtiger als jede Faustregel ist die Bandanstoß-Geometrie, denn die langen, geraden Hörner tragen effektiv weiter, als der Durchmesser vermuten lässt.

Die zweite Entscheidung betrifft den Antrieb. Handaufzugsmodelle liegen flacher, kommen dem historischen Vorbild näher und zeigen bei Saphirglasboden ein ruhigeres Werksbild ohne verdeckenden Rotor; sie verlangen dafür ein tägliches Ritual. Automatikmodelle mit Pellaton-Aufzug sind alltagstauglicher, bieten in der 52000-Familie sieben Tage Gangreserve und verzeihen längere Tragepausen ohne Neustellen. Wer die Uhr als einzige mechanische Uhr trägt, fährt mit dem Automatikwerk in der Regel unkomplizierter.

Beim Zifferblatt reicht das Spektrum von versilbert über schiefergrau bis zu den blauen und dunkelgrünen Varianten jüngerer Jahrgänge. Silberne Blätter mit gebläuten Zeigern gelten als die kanonische Ausführung und sind am breitesten handelbar; farbige Sonderausführungen sprechen eine kleinere Käufergruppe an und können deshalb längere Standzeiten am Markt haben. Für die Wertstabilität ist Zurückhaltung bei der Zifferblattwahl erfahrungsgemäß die sicherere Entscheidung, auch wenn der persönliche Geschmack am Ende den Ausschlag geben sollte. Worauf Sie darüber hinaus am Sekundärmarkt achten sollten, lässt sich auf fünf Prüfpunkte verdichten:

  1. Servicehistorie: Lassen Sie sich Belege über durchgeführte Revisionen zeigen. Bei den Sieben-Tage-Werken der 52000-Familie ist die Aufzugspartie das entscheidende Bauteil; ein dokumentierter Service mit Angabe der ersetzten Komponenten sagt mehr aus als ein bloßer Stempel im Serviceheft.
  2. Zifferblatt-Zustand: Prüfen Sie die Ziffernkanten, die Minuterie und die Applikationen unter Schräglicht. Feuchtigkeitsränder, abplatzender Lack oder nachträglich restaurierte Blätter mindern den Wert deutlich und sind bei der Portugieser wegen der großen freien Fläche besonders gut sichtbar.
  3. Zeiger und Bläuung: Gebläute Zeiger reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit und unsachgemäße Handhabung. Ungleichmäßige Farbtöne zwischen Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger deuten auf einen späteren Austausch einzelner Teile hin und sollten vor dem Kauf schriftlich geklärt werden.
  4. Gehäuseschärfe: Die Portugieser hat definierte Kanten zwischen Gehäuseflanke und Hörnern. Mehrfach überpolierte Gehäuse verlieren diese Kanten, wirken weich und lassen sich nicht wiederherstellen. Vergleichen Sie die Hornprofile mit Referenzbildern derselben Baureihe und desselben Jahrgangs.
  5. Vollständigkeit: Originalbox, Zertifikat und Zusatzbänder erhöhen die Handelbarkeit spürbar. Bei limitierten Referenzen wie der IW5441 ist die Übereinstimmung der Limitierungsnummer auf dem Gehäuseboden mit den beiliegenden Papieren ein zentraler Prüfpunkt.

Portugieser-Referenzen im CHRONOWERK-Bestand prüfen

Bei Uhren dieser Preisklasse ist die Zahlungssicherheit ebenso relevant wie die technische Prüfung. Über eine Treuhandabwicklung wird der Kaufpreis erst nach Eingang und Annahme der Uhr an den Verkäufer freigegeben, sodass beide Seiten abgesichert sind und Sie die Uhr vor der Auszahlung begutachten können. In Verbindung mit einer dokumentierten Eingangsprüfung reduziert das die typischen Risiken des Sekundärmarkts auf ein handhabbares Maß.