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Drei Jahre nach dem Höhepunkt des pandemischen Sekundärmarkt-Booms zeichnet sich ab, was bei Luxusuhren vom Hype geblieben ist. Die spekulativen Preisspitzen von 2021/22 sind weitgehend abgebaut, aber der Markt liegt nicht am Boden — er hat sich auf einem neuen, stabileren Niveau eingependelt. Wir ordnen die wichtigsten Datenpunkte aus FH-, Morgan-Stanley- und Deloitte-Berichten ein und zeigen, warum die Korrektur für Sammler eher eine gute Nachricht ist.

1. Der pandemische Aufstieg — und sein Crash

Zwischen Frühjahr 2020 und Sommer 2022 erlebte der Sekundärmarkt für Luxusuhren eine in dieser Dimension beispiellose Hausse. Während der Lockdown-Monate kanalisierten Verbraucher Sparquoten in Sachwerte; gleichzeitig profitierte ein erheblicher Teil neuer Käufer von Krypto-Gewinnen, die zwischen 2020 und 2021 in liquider Form auf den Konten lagen. Beides traf auf eine fragile Angebotsseite — die Schweizer Manufakturen hatten in den ersten Pandemie-Monaten Produktionsausfälle und reagierten danach mit kontrollierter Mengenausweitung. Begehrte Stahl-Sportuhren von Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet wurden zur knappen Ware.

Im März 2022 erreichten die einschlägigen Sekundärmarkt-Indizes spezialisierter Datenanbieter ihren Höchststand: Die durchschnittliche Sekundärmarkt-Prämie über Listenpreis erreichte bei den 30 begehrtesten Modellen Werte zwischen 70 und über 200 Prozent. Eine Patek Philippe Nautilus 5711/1A wurde im Februar 2022 für mehrfach den Listenpreis von rund 30.000 Euro gehandelt — der Sekundärmarkt-Schnitt lag jenseits der 200.000-Euro-Marke. Eine Audemars Piguet Royal Oak Jumbo 15202ST erreichte ähnliche Multiplikatoren. Die Diskussion in der Sammler-Community wechselte vom Beobachten der Uhrmacher-Welt in die Sphäre der Anlageobjekte; entsprechend stieg die Zahl der Markteilnehmer.

Die Korrektur begann nicht sanft. Ab April 2022, parallel zum ersten ernsthaften Krypto-Crash und steigenden Zinsen, verlor der Sekundärmarkt-Indikator innerhalb von zwölf Monaten rund 40 Prozent — am stärksten betraf das genau jene Modelle, die zuvor die größten Premiums getragen hatten. Bis Mitte 2023 hatte sich der Markt um weitere 15 bis 20 Prozent korrigiert. Wer 2022 zu Spitzenpreisen kaufte, sah erhebliche Buchverluste; wer auszahlen wollte, bekam Angebote, die im Bereich des halben Einstands lagen.

Nautilus 5711 Stainless Steel / Blue

Die Patek Philippe Nautilus 5711/1A — Symbol des Booms

Eine der am stärksten betroffenen Referenzen des Hype-Zyklus. Im Februar 2022 zu Sekundärmarkt-Preisen jenseits der 200.000-Euro-Marke gehandelt — Anfang 2026 wieder bei einer disziplinierten Prämie von 30 bis 60 Prozent über Listenpreis. Die Uhr selbst ist unverändert eine Ikone; nur die Marktbewertung ist wieder auf gesundem Boden.

Zur Referenz

2. Die Zahlen aus 2024 bis Anfang 2026

Der Morgan-Stanley-LuxeConsult-Report 2024 und die Deloitte-Branchenstudie 2024 bestätigten den damals breit beobachteten Trend: Der Sekundärmarkt hat sich seit Mitte 2023 auf einem Niveau eingependelt, das deutlich oberhalb der Vor-Pandemie-Werte, aber spürbar unterhalb der Spitze von 2022 liegt. Konkret zeigen die Watch-Industry-Statistiken der Federation of the Swiss Watch Industry (FH), dass die Schweizer Uhrenexporte 2023 und 2024 in absoluten Werten weiter wuchsen, während die exportierte Stückzahl moderat sank. Anders formuliert: Der Markt bleibt wertmäßig kräftig, weil die Hersteller stärker im hochpreisigen Segment ausliefern und die kleinen Stückzahlen schmilzen.

Für den Sekundärmarkt bedeutet das eine angebotsseitige Verschiebung. Modelle, die am Erstmarkt kaum erhältlich waren, kommen nun häufiger zurück in den Wiederverkauf — schlicht weil mehr Stücke produziert wurden und ein Teil der Pandemie-Käufer ihre Bestände drehen. Die durchschnittliche Sekundärmarkt-Prämie auf Listenpreis liegt für die bekannten Stahl-Sport-Modelle Anfang 2026 zwischen 15 und 60 Prozent — historisch noch immer ein signifikanter Aufschlag, aber kein Vielfaches mehr.

Ein zweiter Datenpunkt: Die durchschnittliche Wartezeit auf eine vorbestellbare Stahl-Sportuhr beim konzessionierten Händler ist von Spitzenwerten von vier bis sechs Jahren auf 12 bis 24 Monate gesunken. Für bestimmte Referenzen — vor allem in den Massengrößen unter Stahl-Datejust, OP, einigen Tudor-Modellen — ist die Wartezeit auf wenige Monate oder Null geschmolzen. Das ist die wichtigste Veränderung des Marktbildes seit 2022: Verfügbarkeit ist zurück, und mit ihr die Preis-Disziplinierungs-Wirkung.

3. Warum die Korrektur keine Katastrophe ist

Auf den ersten Blick liest sich der Wert-Rückgang um 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Hoch wie eine Katastrophe. Für einen kleinen Teil der Käufer, die zu Spitzenpreisen einstiegen und kurzfristig wieder verkaufen mussten, war es das auch. Für den weit überwiegenden Teil der Sammler — die ihre Uhren langfristig behalten — sind drei Punkte zentral.

  1. Die Korrektur traf vor allem die spekulative Top-Schicht. Eine Patek Nautilus, die im Februar 2022 mit Mondpreisen gehandelt wurde, lag Anfang 2026 wieder bei einer Sekundärmarkt-Prämie von realistischen 30 bis 60 Prozent über Listenpreis. Eine Rolex Daytona Stahl der ikonischen Referenz 116500LN — als sie noch produziert wurde — sank von Spitzenwerten von 50.000 Euro auf einen Markt-Schnitt um 22.000 bis 26.000 Euro. Das ist immer noch ein Aufschlag, der nichts mit den Erst-Listenpreisen zu tun hat, aber er ist disziplinierter und tradiert sich heute robust.
  2. Die Korrektur ist asymmetrisch. Während die spekulativen Trophäen abgaben, blieben die klassischen Sammler-Modelle stabil oder verteuerten sich sogar weiter. Eine Patek Calatrava 5196P aus Platin, eine Lange-Saxonia in Platin, eine Vacheron-Patrimony — also Modelle, die nie spekulativ überhöht waren, sondern aufgrund ihrer handwerklichen Qualität ein konstantes Käuferinteresse haben — zeigten in derselben Periode geringere Schwankungen. Wer 2018 eine solche Uhr kaufte, sah seit 2022 keine größeren Buchverluste.
  3. Die spekulative Schicht hat den Markt verlassen. Damit ist das Käufer-Profil wieder das, was es traditionell war — Liebhaber, Sammler, Beschenkende, Markenfans. Für den ehrlichen Käufer sinkt damit das Risiko, in einem überhitzten Markt gefangen zu sein. Die Käufe ähneln wieder dem Vorgehen vor 2020: bewusste Modellwahl, längere Bedenkzeit, persönlicher Bezug zur Uhr. Das ist gesünder für den Markt als jeder Boom-Zyklus.

4. Drei Segmente des Marktes nach Resilienz

Drei Segmente des Sekundärmarktes lassen sich anhand ihres Verhaltens während des Crashs unterscheiden. Diese Unterscheidung ist für Käufer entscheidend — sie steuert, welches Risiko-Profil mit welcher Erwartung an Wert und Verkäuflichkeit zu rechnen ist.

  1. Premium-Stahl-Sportuhren der drei Holy-Trinity-Marken — Patek Nautilus/Aquanaut, AP Royal Oak, sowie Stahl-Daytonas. Diese Modelle stiegen am stärksten und fielen entsprechend am stärksten. Sie bleiben begehrt, aber zu disziplinierten Preisen.
  2. Klassiker: Patek Calatrava, Vacheron Patrimony, A. Lange & Söhne Saxonia, einige Cartier-Modelle wie die Tank in den klassischen Varianten und die runde Reverso bei Jaeger-LeCoultre. Diese Uhren werden nicht von Spekulanten gehandelt, sondern von Sammlern, die sie für Generationen halten. Ihre Wertkurven sind flach, ihre Sekundärmarkt-Volatilität gering, ihre Käuferschicht stabil.
  3. Tool-Watches und mittlere Komplikationen: Rolex Submariner und GMT-Master in Stahl, Omega Speedmaster (insbesondere die handaufgezogenen Moonwatches), IWC Big Pilot und Portuguese, Tudor Black Bay. Diese Uhren haben in der Pandemie moderate Premiums entwickelt und diese überwiegend behalten oder leicht abgegeben. Ihre Sekundärmarkt-Liquidität ist hoch, ihre Preise transparent, ihre Käuferschicht breit. Für die meisten Einsteiger-Sammler ist dieses Segment das natürliche Spielfeld.
Drei Vertreter aus den drei Marktsegmenten

Beispielreferenzen — Premium, Klassiker, Tool-Watch

Stellvertretend für die drei oben beschriebenen Sekundärmarkt-Segmente: eine Sport-Ikone mit hoher Volatilität, eine integriertes Stahl-Sportmodell mit moderater Korrektur, eine Tool-Watch mit stabilem Preisband.

5. Resilienz im Detail — was die Daten zeigen

Wer den Markt im Detail betrachtet, sieht hinter den breiten Indizes erhebliche Unterschiede. Eine Patek Aquanaut Stahl 5167A — eine Uhr, die in Pandemie-Spitzen bei 70.000 Euro und mehr gehandelt wurde — liegt Anfang 2026 wieder im Bereich um 40.000 bis 48.000 Euro. Der Listenpreis liegt darunter, aber die Spanne ist diszipliniert: Wer kauft, kauft zu einem Marktpreis, nicht zu einem Spekulationsaufschlag.

Die Audemars Piguet Royal Oak Selfwinding 15500ST — der Nachfolger der ikonischen 15400ST — zeigt ähnliche Bewegungen. Pandemie-Spitzen um 90.000 Euro im Stahl-Bereich; Anfang 2026 Marktpreise zwischen 55.000 und 70.000 Euro je nach Zifferblattfarbe und Zustand. Die Uhr selbst hat handwerklich nicht verloren — das Werk Calibre 4302 bleibt eine der raffiniertesten Sport-Werkkonstruktionen der Branche.

Eine Omega Speedmaster Professional Moonwatch mit Handaufzug — eine der robustesten Sekundärmarkt-Uhren überhaupt — zeigt minimale Volatilität. Listenpreis um 7.500 Euro, Sekundärmarkt zwischen 6.500 und 8.500 Euro je nach Zustand und Vollständigkeit. Wer hier kauft, kauft die Uhr — nicht den Markt.

Speedmaster Moonwatch Professional

Omega Speedmaster Professional Moonwatch

Die handaufgezogene Moonwatch ist seit Jahrzehnten das stabilste Sekundärmarkt-Investment der Premium-Klasse. Auch im Pandemie-Boom legte sie nur moderat zu; auch im Crash gab sie nur leicht ab. Ein Beispiel dafür, dass technische Substanz dem Spekulationszyklus überlegen ist.

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6. Verfügbarkeit ist zurück — was das praktisch bedeutet

Das vielleicht wichtigste Detail des aktuellen Marktes: Was vor zwei Jahren eine endlose Wartelistensaga war, ist heute in vielen Fällen eine Frage von Wochen, nicht Jahren. Wer 2026 eine Submariner 124060 ohne Datum kauft, kann in vielen autorisierten Häusern innerhalb von drei bis sechs Monaten beliefert werden. Ein Aquanaut 5167A bei Patek ist nicht mehr offen zugänglich, aber die berüchtigten Wartelisten haben sich aufgelöst — der Händler arbeitet wieder mit der Stammkundschaft.

Für den Sammler bedeutet das eine Rückkehr zum klassischen Pfad: Beziehung zum konzessionierten Händler aufbauen, Geduld zeigen, irgendwann zugeteilt werden, zum Listenpreis kaufen. Das war jahrzehntelang der Königsweg und ist es heute wieder. Wer keinen Zugang zum konzessionierten Handel hat, kauft auf dem Sekundärmarkt — heute zu Premiums, die in den meisten Fällen die Wartezeit-Ersparnis nicht mehr kompensieren. Anders formuliert: Wer warten kann, sollte warten und neu kaufen. Wer nicht warten kann, zahlt einen Aufpreis, der dem Service der Sofortverfügbarkeit entspricht — ein normaler ökonomischer Zustand.

Für jüngere Modelle, die in den Pandemie-Jahren erschienen sind und unter Spekulationsdruck gerieten, lohnt die Vorsicht. Eine Patek Aquanaut 5168G in Weißgold mit khakigrünem Zifferblatt aus 2018 wechselte 2021 zu Preisen, die teils das Dreifache des Listenpreises erreichten. Anfang 2026 lag der realistische Marktpreis bei einem Aufschlag von 40 bis 80 Prozent — immer noch deutlich, aber nicht mehr im spekulativen Mondbereich. Wer hier 2022 zu Spitzenpreisen kaufte, sitzt auf einem Wertverlust, der über die Lebensdauer der Uhr betrachtet allerdings irrelevant ist, sofern sie nicht binnen weniger Jahre wieder veräußert werden muss.

7. Das Zinsumfeld und seine Wirkung auf Sachwerte

Hinter dem Crash standen nicht nur Spekulanten-Verkäufe, sondern auch fundamentale ökonomische Faktoren. Die rasche Zinswende der EZB und der US-Notenbank ab Mitte 2022 machte Anleihen über Nacht attraktiver als Sachwerte ohne laufende Rendite. Eine Uhr im Tresor wirft keine Zinsen ab — wer 2020 zwei Prozent Festgeld als Untergrenze nahm, fand 2023 vier Prozent ohne Risiko bei einer Staatsanleihe. Für Anlage-getriebene Käufer reduzierte das die Attraktivität von Uhren als Wert-Aufbewahrung.

Mit der Stabilisierung der Zinsen Mitte 2024 und ersten Senkungserwartungen für 2025 begann eine zarte Stabilisierung der Sekundärmärkte. Sie war kein neuer Boom — eher eine Bodenbildung. Die Sammler, die in den Markt zurückkehrten, waren überwiegend die langfristig Orientierten; die spekulative Schicht blieb fern. Diese Bodenbildung ist genau das, was die Branchenstatistik der FH und die Sektor-Reports der großen Wirtschaftsprüfer für 2024 bis 2026 ausweisen.

Für 2026 ist die Erwartung der meisten Analysten verhalten optimistisch: kein neuer Boom, aber eine schrittweise Erholung in den Segmenten, in denen die Substanz stimmt. Massive Premiums werden ein Phänomen einzelner Trophy-Modelle bleiben — der breite Markt wird sich auf dem heutigen Niveau einpendeln. Für Sammler ist das eine günstige Ausgangslage: Verfügbarkeit ist da, Preise sind ehrlich, Volatilität ist niedriger als seit Jahren.

8. Was die Korrektur für Händler und Auktionshäuser bedeutet

Die Aufnahme von gebrauchten Luxusuhren war 2021 und 2022 das mit Abstand wachstumsstärkste Geschäft im Premium-Uhrenhandel. Spezialisierte Plattformen, Auktionshäuser mit Online-Schiene und große Internet-Marktplätze konkurrierten um das beste Angebot. Mit dem Crash verschoben sich die Karten. Die Plattformen, die auf hohe Marge und schnelles Durchschleusen gesetzt hatten, gerieten unter Druck; jene, die auf Authentifizierung, Service und transparente Preisbildung gesetzt hatten, behielten ihre Kundschaft.

Auktionshäuser verzeichneten 2024 und 2025 einen Schwerpunkt-Wechsel: weg von den spekulativen Modernem-Modellen, hin zu Vintage und Sammlerklassikern. Eine sehr seltene Patek 1518 aus den späten 1940er Jahren erlebte 2024 einen Rekord-Zuschlag bei Phillips, während gleichzeitig moderne Stahl-Sportuhren bei denselben Auktionen unterhalb der Schätzwerte zugeschlagen wurden. Das ist eine direkte Konsequenz der Marktverschiebung: Das Geld, das im Markt bleibt, sucht Qualität und Geschichte — nicht mehr den schnellen Spekulationsgewinn.

Für die seriöse Treuhand-Plattform bedeutet das eine günstige Marktphase. Käufer und Verkäufer kommen heute mit realistischen Erwartungen, die Vermittlung läuft weniger emotional, die Authentifizierungs-Anforderungen sind höher als je zuvor. Genau das ist die Marktstruktur, in der CHRONOWERK arbeitet — und der aktuelle Markt 2026 ist für unsere Käufer eine bessere Ausgangslage als für jeden Käufer in den Jahren 2021 oder 2022.

Marken-Übersicht

Die wichtigsten Marken-Häuser im CHRONOWERK-Bestand

Wer den Sekundärmarkt analysiert, kommt an diesen Häusern nicht vorbei — sie definieren die Bewegungen, die wir in den Indizes sehen.

9. Die Schweizer Uhrenindustrie in Zahlen

Die Federation of the Swiss Watch Industry (FH) führt monatliche Exportstatistiken, die als Frühindikator für den globalen Premium-Markt gelten. Diese Zahlen zeigen 2024 einen Gesamtexportwert der Schweizer Uhrenindustrie von leicht über 26 Milliarden Schweizer Franken — der höchste Wert in der Geschichte. Das ist trotz des Sekundärmarkt-Drucks ein Plus gegenüber dem Vorjahr und liegt deutlich oberhalb des Vor-Pandemie-Niveaus von 2019 (knapp 22 Milliarden Franken).

Hinter dieser Wert-Steigerung steht eine Stückzahl-Reduktion: 2024 wurden weniger Uhren exportiert als 2019. Der Wert-Zuwachs kommt aus dem hochpreisigen Segment — Uhren über 3.000 Franken Exportpreis machten 2024 fast 85 Prozent des Gesamtwertes aus. Die Branche hat sich in Richtung Premium positioniert und exportiert weniger, dafür wertvollere Stücke. Diese Strategie stabilisiert die Sekundärmarkt-Preise im Premium-Segment — wenig Angebot, hohe Qualität.

Geografisch verlagerte sich die Nachfrage. Während China und Hongkong nach starken Boom-Jahren 2024 spürbare Einbrüche zeigten, kamen die USA als wertgrößter Absatzmarkt heraus. Europa blieb stabil, mit Deutschland als wichtigem Markt für die Vintage-Sammler-Klientel. Diese Verschiebung ist relevant für deutsche Käufer, weil sie sich nicht mehr im Schatten des chinesischen Investment-Booms bewegen — der Markt in Mitteleuropa wird wieder von echten Sammlern getragen.

10. Strategien für Sammler 2026

Aus der oben skizzierten Marktstruktur leiten sich drei Strategien für Sammler ab, die mit langfristiger Perspektive einsteigen oder ausbauen wollen.

  1. Klassische Tugenden zuerst. Wer eine Uhr für die nächsten zwanzig Jahre kauft, sollte sich an den Klassikern orientieren, die in beide Krisen — den Crash und den Boom — robust waren. Drei-Zeiger-Uhren in 38 bis 40 Millimeter, in den Standardmaterialien Stahl oder Gold, mit Zifferblättern in den klassischen Farben Schwarz, Weiß, Silber oder Blau. Diese Uhren sind die zeitlose Substanz; sie werden nie spekulativ, aber sie werden auch nie irrelevant.
  2. Beziehung statt Hype. Wer Zugang zum konzessionierten Handel sucht, sollte die Pandemie-Erfahrung als Lehre nehmen — gute Beziehungen entstehen über Jahre, nicht über Wochen. Regelmäßige Besuche im selben Haus, ehrliche Konsultation, gelegentlicher Kauf einer weniger spektakulären Uhr aus dem Sortiment bauen die Vertrauensbasis auf, die irgendwann mit der Zuteilung einer begehrten Referenz belohnt wird. Für Käufer, die diesen Weg nicht gehen können oder wollen, ist der Sekundärmarkt heute fairer als seit Jahren.
  3. Authentifizierung nicht aus den Augen verlieren. Wenn ein Markt sich beruhigt, sinkt der Verkaufsdruck — und damit auch die Verlockung mancher Anbieter, mit unklaren Beschreibungen zu arbeiten. Das ist erfreulich für den Käufer, aber kein Grund zur Nachlässigkeit. Die Authentifizierung in einer fachkundigen Werkstatt oder über eine Treuhand-Plattform mit Eingangsprüfung bleibt das wichtigste Werkzeug, um aus dem Markt das herauszuholen, was er bietet — und nicht das, was schief gehen kann.

Ein Modell, das für Strategie eins steht: die Tudor Black Bay Fifty-Eight. Sie ist klassisch in Größe und Substanz, ihr Werk MT5402 ist robust und gut serviceable, der Sekundärmarkt zeigt seit Jahren eine sehr flache Wertkurve. Für viele Sammler ist sie die erste Stahl-Diver, die langfristig im Portfolio bleibt.

11. Ausblick — was die nächsten drei Jahre bringen könnten

Eine seriöse Prognose über den Sekundärmarkt für Luxusuhren ist schwierig, weil zu viele exogene Faktoren mitspielen — Zinsentwicklung, Kryptozyklen, geopolitische Risiken, die Strategien der einzelnen Manufakturen. Drei Trends sind aber wahrscheinlich, weil sie sich aus der aktuellen Lage zwingend ergeben.

  1. Stückzahl-Disziplin der Manufakturen bleibt. Rolex, Patek und AP haben gelernt, dass kontrollierte Verknappung dem Markenwert dient; sie werden ihre Mengen nicht radikal ausweiten. Das hält die strukturelle Knappheit, die das Premium-Segment auszeichnet.
  2. Vintage gewinnt überproportional. Sammlernschaft wandert von der Spekulationszone in die Substanzzone; mit der älter werdenden Generation der Großsammler kommen außerdem laufend Spitzenstücke aus Privatsammlungen in den Markt. Eine Rolex Daytona „Paul Newman" oder eine Patek Nautilus aus den ersten Produktionsjahren wird in den nächsten drei Jahren teurer werden — nicht aus Spekulation, sondern aus Knappheit und steigendem Sammler-Interesse.
  3. Authentifizierungs-Qualität wird zur wichtigsten Differenzierung. Wo in den Boom-Jahren noch der reine Zugang zur Ware zählte, ist es heute Vertrauen, Transparenz und nachvollziehbare Wertentwicklung. Käufer wählen ihren Marktplatz heute mit denselben Kriterien wie ihre Privatbank. Das ist eine gute Entwicklung — für den Käufer, für den seriösen Verkäufer und für das Sammler-Hobby insgesamt.